Tage der Bayerischen Schulmusik 2020

Musikunterricht in einer digitalisierten Welt

Unter diesem Motto stehen die Tage der Bayerischen Schulmusik, die vom 5.3. bis 7.3.2020 in der Hochschule für Musik und Theater in München (Arcisstr. 12, 80333 München) stattfinden werden.

Die fortschreitende Digitalisierung in allen Lebensbereichen stellt eine Herausforderung für den Musikunterricht in allen Schularten dar. Im Rahmen des DigitalPakts Schule unterstützt die Bundesregierung Investitionen in die digitale Bildungsinfrastruktur. Länder und Gemeinden verpflichten sich im Gegenzug, digitale Bildung durch pädagogische Konzepte, Anpassung von Lehrplänen und Umgestaltung der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften umzusetzen. Auch die bayerische Staatsregierung macht Digitale Bildung in Schule, Hochschule und Kultur zum Thema und erklärt die inhaltliche Auseinandersetzung mit Digitalisierung und deren Einfluss auf Arbeitsweisen und Methoden zu einem zentralen Aspekt der Weiterentwicklung von Schule, Hochschule und Kultur. Digitalisierung soll verstärkt sowohl Gegenstand von Bildung als auch Werkzeug im Bildungsprozess werden.

Viele Musiklehrkräfte finden sich angesichts dieser Forderungen in einem Spannungsfeld wieder: zwischen Euphorie und Überforderung, Neugier und Resignation, Mehrwert und Mehrarbeit, Arbeitserleichterung und Hilflosigkeit.

In diesem Kontext stellen sich Fragen wie die folgenden: 

· Wie muss man sich ein „digitalisiertes Klassenzimmer“ bzw. einen „digitalisierten Musikraum“ konkret vorstellen?

· Was soll und kann der Begriff „Digitalisierung“ im Kontext musikalischer Bildung eigentlich bedeuten?

· Welche neuen Arten von Musik und musikalischen Praktiken entstehen durch die Verfügbarkeit immer vielseitigerer und leistungsfähigerer digitaler Endgeräte? Inwiefern verändern sich dadurch Wahrnehmung und Bedeutung von Musik(en)? Wie wirkt sich dies auf musikbezogenes Lernen aus – innerhalb und außerhalb von Schule?

· Der Einsatz von Medientechnologie prägt schulischen Musikunterricht seit seiner Einführung in den 1920er Jahren, beginnend mit Grammophon, Klavier und den ersten Klassenmusizier-Instrumentarien; auch Konzepte zum Einsatz digitaler Technologien im schulischen Musikunterricht und bei der Unterrichtsvorbereitung gibt es bereits seit drei Jahrzehnten. Worin liegt das spezifisch „Neue“, das mit der aktuellen Digitalisierungskampagne angestoßen werden soll?

· Welche innovativen Methoden und Werkzeuge können der Lehrkraft bei Vorbereitung und Durchführung eines „Musikunterrichts mit Anspruch“ helfen?

· Welchen „musikpädagogischen Mehrwert“ können die neuen Geräte und mediengestützte Lehr-Lern-Arrangements bieten? In welchen Lernfeldern des Musikunterrichts und auf welche Weise können digitale Medien den Lernprozess fördern und unterstützen? Wie lassen sich digitale Medien kreativ und musikalisch-künstlerisch nützen?

· Inwiefern eröffnen digitale Medien neue Möglichkeiten des Musik Lernens und Lehrens, die für den pädagogischen Umgang mit verschiedenen Arten von Heterogenität sowie im Kontext „Inklusion“ nützlich sein können? 

· Wo finden sich geeignete Anknüpfungsmöglichkeiten an die kompetenzorientierten bayerischen Lehrpläne?

· Wo liegen Grenzen, Risiken und Probleme des Arbeitens mit digitalen Werkzeugen im Musikunterricht?

· Inwieweit verdrängt ein verstärkter Einsatz digitaler Medien im Musikunterricht musikalische Primärerfahrungen wie beispielsweise das eigene Singen, das sinnliche Erleben des Spiels auf einem akustischen Instrument oder der besonderen Momente eines einmaligen, „unwiederholbaren“ Live-Vortrags? Gibt es Ansätze, die sinnlich-körperorientierte musikalische Praxis und den Gebrauch digitaler Medien fruchtbar miteinander verbinden?

· Wie gestaltet sich die mittel- und langfristige Finanzierung einer Medienausstattung für „digitalen“ Musikunterricht? Wer kümmert sich um Pflege und Wartung des Equipments?

· Welche Anforderungen stellt Musikunterricht, der verstärkt auf digitale Medien setzt, an Schüler*innen und Lehrkräfte? Welche Voraussetzungen sollten sie mitbringen? Wo können Lehrkräfte das notwendige „Handwerkszeug“ erwerben?

Die Tage der bayerischen Schulmusik 2020 möchten diese Thematik – neben den die Lehrkräfte stets beschäftigenden, zeitlosen Fortbildungsthemen – aufgreifen und vertiefen. In Vorträgen, Foren und Workshops soll es einerseits darum gehen, aktuelle fachwissenschaftliche Erkenntnisse zu reflektieren und zu diskutieren, andererseits sollen konkrete Impulse für die Unterrichtspraxis vermittelt werden.